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Sonntag, 12. Februar 2012

Pharmadaten-Super-GAU?

Der Spiegel berichtet über etwas, das der bislang größte deutsche Datenskandal im Medizinbereich sein könnte:
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma pharmafakt/Gesellschaft für Datenverarbeitung (GFD)… [sagt dem Spiegel zufolge an Eides statt aus,] … Auf Weisung der Geschäftsführung der GFD in Karlsfeld bei München habe er jahrelang unverschlüsselte, nicht anonymisierte Rezeptdateien von den beiden größten deutschen Apothekenrechenzentren bezogen.
Das kommt zum denkbar günstigsten Zeitpunkt, um das Vertrauen in die elektronischen Gesundheitskarte zu stärken, auf der auch Rezeptdaten gespeichert werden können.

Mehr: Verdacht auf illegalen Handel mit Rezeptdaten

Mittwoch, 9. November 2011

Patente auf Tomaten

Gestern verhandelte das Europäische Patentamt (EPA) über das sogenannte Tomaten-Patent. Dabei geht es darum, ob Patente für Gemüsesorten erteilt werden können, die ohne Genmanipulation (also durch normale Züchtung) entstanden sind.

Schrumpeltomaten sind nicht neu
Aus diesem Anlass brachte DRadio Wissen Beiträge zum Thema »Patentschutz für die Tomate« und sprach mit dem Patentmanager Jörn Erselius von der Max-Planck-Gesellschaft, dem Juristen Peter-Tobias Stoll sowie den Wissenschaftsjournalisten Britta Fecke und Volkart Wildermuth.
Factbox Biopatente / Schutzrechte für Schrumpeltomaten (MP3)
Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Fakten / Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Britta Fecke
Der Wert von Biopatenten (MP3)
Ein Gespräch mit Jörn Erselius, Geschäftsführer der Max-Planck-Innovation
Der besondere Blick des Patentrechts auf das Leben (MP3)
Ein Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Volkart Wildermuth
Rechtsschutz für Gemüse (MP3)
Ein Gespräch mit Peter-Tobias Stoll vom Institut für Völkerrecht und Europarecht der Universität Göttingen
Es ist gestern zu keiner endgültigen Entscheidung gekommen, die technische Beschwerdekammer des EPA setzte die Verhandlung wegen ungeklärter Rechtsfragen aus, da die Große Beschwerde­kammer des EPA zunächst darüber befinden soll, ob Früchte und Samen spezieller Pflanzen­züchtungen überhaupt patentiert werden dürfen.

»Kein Patent auf Leben!« schreibt hierzu unter der Überschrift »Patent auf Tomate wird zur Grundsatzentscheidung – Kritiker fordern bessere Kontrolle des Patentamtes«
Das Europäische Patentamt in München hat heute entschieden, das Patent auf Tomaten (EP1211926, PDF) der Großen Beschwerdekammer zur Entscheidung vorzulegen … Bislang hat das Patentamt bereits um die 100 Patente auf traditionell gezüchtete Tiere und Pflanzen erteilt. Diese Praxis ist nun in Frage gestellt … Der Konzern Unilever hatte aus eigenen wirtschaftlichen Interessen Einspruch dagegen eingelegt … Konzerne wie Monsanto, Dupont, Bayer und Syngenta sind die Hauptprofiteure dieser Patente auf Pflanzen. Kritiker befürchten, dass Verbraucher, Landwirte und Lebensmittelhersteller in neue Abhängigkeiten von diesen Konzernen geraten. Landwirte und Verbraucher in den Entwicklungsländern und in Europa sind davon gleichermaßen betroffen. Vollständiger Text
Meldungen zu der Entscheidungen
Hamburger Abendblatt
Musterprozess um die Schrumpeltomate (ausführlich)
Deutscher Bauernverband e.V.
Kein Patent auf Klassische Züchtungsmethoden
top agrar online
Patenturteil zur Schrumpeltomate vertagt
NZZ Online
Streit um die «Schrumpftomate»
Informationsdienst Gentechnik
Tomaten-Patent in die höchste Instanz
Hier gibt es auch Hintergründe zu Patenten in der Landwirtschaft.
Wiener Zeitung
Europäisches Patentamt verhandelt über Patent auf "Schrumpeltomate"
Greenpeace Magazin
Entscheidung zur «Schrumpeltomate» vertagt
sehr kurz, dafür Patentanmeldung verlinkt
Das Original des obigen Bildes ist »Tomatoes from the Garden« von feverblue. Sowohl das Original als auch die in diesem Post wiedergegebene Variante stehen unter einer “Creative Commons”-Lizenz (CC BY-SA 2.0).

Montag, 7. November 2011

Verbraucher­feindliches Verbraucher­informations­gesetzes

Zum Thema »Gesetzesnovelle empört Verbraucherschützer« schreibt der Spiegel zur Novelle des Verbraucherinformationsgesetzes:
Behörden müssen nicht bekanntgeben, wer Gammelfleisch verkauft hat. Daran würde auch die Novelle des Verbraucherinformationsgesetzes nicht ändern. Und die Ämter sollen künftig Anfragen ablehnen können. Das sorgt nach SPIEGEL-Informationen für einigen Ärger… Weiter

Sonntag, 6. November 2011

Großes Psychiatrie-Datenleck

Unter der Überschrift »4.000 Psychiatrie-Akten offen im Netz« berichte Zeit Online:
In Schleswig-Holstein waren psychiatrische Befunde und Gutachten via Internet einsehbar. Warum, ist nicht klar… Weiter
Auch wenn es von den Verantwortlichen nicht gerne gehört wird: Derart sensible Informationen haben auf Computer mit Internetanbindung rein garnichts verloren.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Ehemaliger Mexikanischer Präsident für Legalisierung von Drogen

Viele Piraten setzen sich für die Legalisierung von Drogen ein. Manche Menschen sehen in der Legalität von Drogen eine Gefahr für den Rechtsstaat. Vergessen wird dabei gerne, dass man dieser Linie folgend ebenso Alkohol und Tabak, Koffein und in letzter Konsequenz auch Weihrauch und sogar Muskat verbieten müsste, was vermutlich niemand ernsthaft erwägen würde.

Für ein generelles Verbot von Drogen gibt es also augenscheinlich keinen gesellschaftlichen Konsens. Eine Rechtslage, bei der Cannabis verboten ist, während Alkohol und Tabak, von denen eine ähnlich große Gefahr ausgeht, legal sind, kann aber nicht eben für sich in Anspruch nehmen, sonderlich konsistent zu sein.

Für die Legalität von Drogen gibt es andererseits stichhaltige Gründe. Einer der Wichtigsten ist wohl, dass die Illegalität den Konsum nicht verhindert, dafür aber zu einer Menge Kriminalität führt, die sonst nicht vorhanden wäre. Es ist in diesem Zusammenhang interessant, wenn der ehemalige Präsident Mexikos, genau mit diesem Argument für eine Legalisierung von Drogen eintritt (Englisch).

Ich selbst stehe dem Drogenkonsum kritisch gegenüber, da ich vor Jahren unerfreuliche Erfahrungen mit Drogenabhängigen gemacht habe, halte aber die Legalisierung für das kleinere zweier Übel. Dank dieser Erfahrungen weiß ich aber, dass Alkohol beileibe nicht harmloser ist als Cannabis, nach meinem persönlichen Eindruck ist er in seinen Auswirkungen sogar deutlich gefährlicher.

Freitag, 21. Oktober 2011