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Freitag, 27. März 2015

OK Lab Bonn

Im Grundsatzprogramm der Piratenpartei heißt es:
Freier Zugang zu öffentlichen Inhalten
Die Piratenpartei setzt sich dafür ein, dass möglichst alle durch öffentliche Stellen erzeugten oder mit Hilfe öffentlicher Förderung entstanden Inhalte der breiten Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht werden. ... Die Inhalte werden in offenen Formaten online zur Verfügung gestellt und archiviert...
Hier in Bonn ist der Wille zu diesem freien Zugang von städtischer Seite vorhanden, die praktische Umsetzung gestaltet sich jedoch schwierig, da viele Inhalte von vorne herein in Formaten vorliegen, die eine weitere Verarbeitung durch Software schwierig gestalten.

Ich finde es allerdings unsinnig, über die Probleme mit der Umsetzung zu jammern und möchte eher meinen Beitrag dazu leisten, dass sich dieser Zustand bessert. Einerseits indem ich darauf hinwirke, dass Daten von Anfang an in leichter verarbeitbaren Formaten vorliegen, andererseits indem ich meine Programmierfähigkeiten einbringe, um Formaten automatisch umwandeln zu können (eine Aufgabe, mit der ich auch beruflich befasst bin).

Gestern war ich deshalb einer von gut einem Dutzend Verrückten, die sich im Bonner Stadthaus trafen, um in Bonn ein OpenKnowledge Lab ins Leben zu rufen. Hinter diesen OK Labs, wie sie kurz genannt werden, steht die OpenKnowledgeFoundation, die sich folgende Ziele gesetzt hat:
  • offenes Wissen als Standard zu verbreiten
  • offenes Wissen zu kreieren, das uns und andern hilft
  • anderen dabei helfen, offenes Wissen zu verbreiten
  • eine nachhaltige und aktive Community zu schaffen
  • Werkzeuge zu erstellen, um den obigen Zielen zu helfen
  • Nutzerfreiheit in Bezug auf Wissen und Daten zu stärken
Das erste Treffen war in erster Linie ein Kennenlernen und Ideensammeln. Wer wissen will, worüber wir gesprochen haben, wird in diesem Etherpad fündig. Wie gesagt, wir stehen noch ganz am Anfang. Wer mitmachen will: Nur zu! Am besten erst einmal bei Meetup der Gruppe OK Lab Bonn beitreten und Stefan Wolfrum um eine Einladung zu slack bitten.

Samstag, 14. April 2012

Pirate Parties International in Prag

Da trifft sich die PPI in Prag und was machen die deutschen Piraten? Sie treten im ehemaligen Protektorat Böhmen und Mähren trotz der problematischen Vergangenheit wie die Axt im Walde auf.

Das fängt damit an, dass die Logos der Piraten aus Tschechien und der Slowakei an den Rand gedrängt wurden und in der Mitte die Fahne der deutschen Piraten unübersehbar die Szene dominiert.

PPI Conference in Prag

Hilfe, die Deutschen sind wieder da!

Es geht damit weiter, dass die Leitung der Veranstaltung augenscheinlich fast komplett von deutschen Piraten übernommen wurde, die sich untereinander auf Deutsch unterhalten und denen anscheinend nicht einmal bewusst ist, dass es nicht gerade zur Transparenz beiträgt, wenn sich die Versammlungsleitung in einer wenig verbreiteten Sprache unterhält.

Wer diese Bedenken nicht nachvollziehen kann, sollte sich vorstellen, wie hier in Deutschland darauf reagiert würde, wenn sich die Versammlungsleitung des Bundesparteitags untereinander auf Türkisch unterhält (um eine in Deutschland häufige Sprache zu nennen, die nur wenige Teilnehmer verstehen dürften).

Besonders übel finde ich, was bislang zum Thema »europäische Piratenpartei« abgelaufen ist. Das erweckte schon bei mir als Deutschem den Eindruck, dass hinter diesen Bestrebungen praktisch ausschließlich deutsche Piraten stehen, die einen Beschluss, diese zu gründen gegen alle Wider­stände durchdrücken wollen – so berechtigt eine Reihe der Einwände sind.

Ich würde mich sehr freuen, wenn es tatsächlich zu einem entsprechenden Beschluss kommt, aber nur, wenn die Idee der Piraten als internationale und speziell auch Kontintente übergreifende Idee hier­durch keinen erheblichen Schaden nimmt, indem Veranstaltungsteilnehmer den Eindruck gewinnen, die deutschen Piraten hätten die Absicht, die Piraten in ganz Europa zu dominieren.

Dieser Blogeintrag ist ein wüster Rant, der stark übertreibt? Richtig, genau das war der Plan.

Freitag, 6. April 2012

Bonner Piraten im Piratenwiki

Wikiseite der Bonner Piraten.
Hauptseite der Bonner Piraten im Piratenwiki.
Schatzkarte für Neupiraten.
Eine Einstiegshilfe mit vielen Hinweisen zu den Piratenwerkzeugen.
Bürgerbüro in der Innenstadt.
Für den Wahlkampf wurde den Bonner Piraten ein Ladenlokal in der Münsterstraße 1a – Kosename M1a, Mia – zur Verfügung gestellt.
Landtagswahl 2012.
Die Hauptsteite der Bonner Piraten zum Landtagswahlkampf.
Spezielle Wahlkampfseiten.
Übersichten zu Infoständen, Plakatierung und Besetzung des Büros in der Münsterstraße.

Dienstag, 3. April 2012

Eine Bekämpfung der Korruption findet nicht statt

So könnte ein Artikel des Grundgesetzes lauten. Zumindest kann einem beim Artikel »Rüffel des Europarats – Deutschland verhindert Kampf gegen Korruption« dieser Gedanke kommen, denn es scheint in Deutschland der Wille zu fehlen, Korruption tatsächlich zu bekämpfen. So
… bemängelt die Greco erneut die mangelnde Bereitschaft Deutschlands, das Strafrechts­übereinkommen über Korruption zu ratifizieren. Es sieht eine strenge Bestrafung von Abgeordnetenbestechung vor.
Eigentlich sollte man erwarten, dass sich in einem Dutzend Jahren, die seit der Unterzeichnung vergangen sind, mehr als einmal die Gelegenheit ergeben hat, das Abkommen zu ratifizieren. Auch
… äußert der Europarat »große Bedenken«, dass in Deutschland noch immer kein System eingeführt wurde, dass eine »frühzeitige Veröffentlichung von Rechenschaftsberichten zu Wahlkämpfen« oder mehr Transparenz bei »direkten Spenden an Abgeordnete und Wahlkandidaten« von Parteien gewährleistet.
Bei dieser Aussage könnte man glatt vermuten, sie sei der Feder der Piratenpartei entsprungen. Munter geht es mit dem Thema Polit-Sponsoring weiter:
Greco hatte Deutschland im Dezember 2009 aufgefordert, die finanzielle Unterstützung für Parteien oder Regierungen etwa bei Sommerfesten transparenter zu gestalten.
Mehr als eine Expertenanhörung im Innenausschuss kam nicht dabei herum und
Am Ende kamen die deutschen Parlamentarier jedoch zu dem Ergebnis, dass das »Steuerrecht und das Parteiengesetz bereits einen ausreichend eindeutigen rechtlichen Rahmen bilden«.
Auch die Forderung der Greco, die Grenzen von 50.000 Euro anzuheben, ab der Spenden unverzüglich der Bundestagsverwaltung zu melden sind, stieß auf taube Ohren. Die Stellungnahme des Innenausschusses ist geradezu tolldreist; so
teilten die Parlamentarier der Greco mit, die Grenze dürfe nicht so niedrig sein, "dass sie zu einem übermäßigen Datenaufkommen" führe.
Ich möchte das nur mit einer kurzen Frage kommentieren: Banane gefällig?

Nachtrag (2012-04-08): Der GRECO-Bericht ist auch auf Deutsch online (PDF)

Dienstag, 28. Februar 2012

Was ist von "AKA @ Piratenpartei" zu halten?

Mir kommt die Frage »Gibt es eine offizielle Stellungnahme der Piratenpartei zum Anti-Kommunistischer Arbeitskreis (AKA @ Piratenpartei)« langsam an den Ohren heraus.

Der Stein des Anstoßes ist ein bei wordpress.com gehostetes Blog, das gerade einmal zwei relativ kurze Seiten umfasst, auf denen man den Eindruck gewinnt, dass eine rechtsextreme Gesinnung als Kampf gegen den Kommunismus verkauft werden soll und dies im Rahmen und mit Billigung der Piratenpartei erfolgt. Der bislang einzige Blogeintrag stammt vom 2012-02-12

Es fehlt zwar bis heute eine Pressemitteilung doch auf der Vorstandssitzung vom 2012-02-16 hat sich der Bundesvorstand der Piratenpartei zu dieser Frage geäußert, nämlich unter TOP 8: Fragen an den Bundesvorstand (dort geht es zwar um die zugehörige, mittlerweile deaktivierte Twitter-Kennung, doch die getroffene Feststellung betrifft auch die Website):
Es gibt eine Nachfrage zum Account @Piraten_AKA.

Feststellung: Es gibt keinen Anti-Kommunistischen Arbeitskreis in der Piratenpartei. Der Bundesvorstand distanziert sich von den Aktivitäten.

Montag, 30. Januar 2012

GVU und das Haftungsprivileg für Filehoster

Unter der Überschrift »GVU stellt Haftungsprivileg für Filehoster in Frage« berichtet Golem, dass die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) die Abschaffung des Haftungs­privilegs für Hoster fordert, nach dem Diensteanbieter für die Inhalte ihrer Nutzer nur dann verant­wortlich sind, wenn sie von diesen Kenntnis haben. Stutzig machte mich eine Aussage, die Golem zufolge von GVU-Chef Matthias Leonardy stammt.
Interne Analysen der GVU hätten gezeigt, dass dies bei den Anbietern zur einem signifikanten Nutzerrückgang geführt habe, während File- und Streamhoster, die weiterhin entsprechende Vergütungen zahlten, rapide wüchsen. Etablierte Filehoster ohne Upload-Belohnung verzeichneten hingegen deutlich geringere Zuwächse.
Was muss ich mir unter diesen internen Analysen vorstellen? Wenn die GVU Daten über die Nutzung der File- und Streamhoster hat, aus welcher Quelle stammen diese? Soll ich davon ausgehen, dass die GVU an diesen Hostern und damit an nach ihrer Ansicht kriminellen Machenschaften beteiligt ist? Hat sich die GVU die entsprechenden Daten von Providern besorgt und wenn ja, ist das auf legalem Wege geschehen?

Die Daten mögen anders erhoben worden sein aber die für die Verfolgung von Urheberrechts­verstößen und Wirtschaftsspionage zuständigen Stellen täten vielleicht gut daran, ein waches Auge auf die GVU zu haben.

Montag, 23. Januar 2012

Clay Shirky: Warum SOPA eine schlechte Idee ist

Im eingebetteten, eine Viertelstunde dauernden Video spricht Clay Shirky darüber, warum SOPA eine schlechte Idee ist, und wie es dazu kommt, dass dieser Gesetztesvorschlag überhaupt zustande kommt.


Das Video ist auf Englisch, es gibt englische und französische Untertitel.

Samstag, 14. Januar 2012

Der Blick in die Zeitung

Ich habe mit Mitteln der Bildbearbeitung versucht nachzuempfinden, wie ich die Titelseite einer Tageszeitung beim ersten Hinschauen wahrgenommen habe.

CDU will Trinkgelage stoppen

Samstag, 7. Januar 2012

Depublizieren und Aufklärung

Heute habe ich mich wieder einmal über das Depublizieren geärgert, diesmal aber beschlossen, mich nicht still zu ärgern sondern dagegen zu agitieren.

Vom Wikipedia-Artikel Saarland (1947–1956) folgte ich einem Link mit der Beschreibung 50. Jahrestag der „Saar-Abstimmung“ zum Saarländische Rundfunk (SR), doch statt Informationen zu diesem wichtigen Ereignis der deutschen Geschichte zu finden, wurde ich mit Folgendem konfrontiert:
Warum Sie nicht mehr finden, was Sie suchen

Nach dem Willen des Gesetzgebers darf der SR nur einen Teil seiner Online-Inhalte unbe­fristet im Netz anbieten. Für den Rest gelten verbindliche Fristen nach dem Verweildauer­konzept…
Dem SR ist hier kein Vorwurf zu machen, denn anders als manche öffentlich-rechtlichen Internet­seiten geht er in vorbildlicher Weise mit diesem Zwang um, indem er den Nutzern erläutert, warum die Inhalte nicht mehr vorhanden sind, statt kommentarlos festzustellen, dass dem so ist.

Der Grund ist nicht mehr und nicht weniger als die gewaltsame Beschädigung des kollektiven Gedächtnisses durch einen amoklaufenden Gesetzgeber, der Mittel, die dem Auftrag der Grund­versorgung dienen sollen, dazu missbrauchen lässt, durch Löschen von Inhalten exakt diesem Auftrag zuwider zu handeln.

Was sich hinter dem Euphemismus »Depublizieren« verbirgt ist nichts anderes als eine virtuelle Bücherverbrennung mit dem Ziel, die Bürger unmündig zu halten, indem man ihnen einen einfachen Zugriff auf Informationen verweigert, die den Mächtigen vielleicht eines Tages vorgehalten werden könnten. Die eigentliche Zielsetzung der öffentlich-rechtlichen Sender besteht aber gerade darin, die Ziele der Aufklärung zu fördern. Aber was ist Aufklärung eigentlich?

Immanuel Kant schrieb dazu 1784 das Essay »Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?«, dessen Lektüre auch nach über 200 Jahren noch empfehlenswert ist.
AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen…
Dieser Gebrauch des Verstandes erfordert, dass der Mensch in die Lage versetzt wird, in Kenntnis der relevanten Fakten zu Schlüssen zu gelangen, nicht aber basierend auf einem verfälschten Abbild der Realität. Das hindert den Menschen zwar nicht daran, die Fakten zu ignorieren, doch ihm die Informationen bewusst vorzuenthalten, ist eine Kriegserklärung an die Ziele der Aufklärung.

Aufklärung stellt weder kollektiv noch individuell betrachtet einen einmaligen Vorgang dar. Auf Ebene einer Gruppe gesehen ist jedes Neugeborene zunächst ein nicht aufgeklärtes Individuum, das der Aufklärung bedarf, damit die Gruppe als Ganzes dauerhaft aufgekärt bleibt. Auf individueller Ebene ist Aufklärung ein permanenter Prozess und Aufgeklärtheit ein Zustand, um dessen Weiterbestehen jeden Tag gerungen werden muss, will man ihn nicht verlieren.

Was beide Aspekte angeht muss man etwa beim Bildungssystem und den Fernsehprogrammen – privaten wie öffentlich-rechtlichen – nicht nur Defizite sondern sogar eine Entwicklung in eine völlig falsche Richtung konstatieren.

Was hat dies nun mit den Piraten zu tun? Hierzu ein Auszug aus der Präambel des Grundsatzprogramms der Piratenpartei Deutschland:
Informationelle Selbstbestimmung, freier Zugang zu Wissen und Kultur und die Wahrung der Privatsphäre sind die Grundpfeiler der zukünftigen Informationsgesellschaft. Nur auf ihrer Basis kann eine demokratische, sozial gerechte, freiheitlich selbstbestimmte, globale Ordnung entstehen.
Wie oben dargelegt ist der freie Zugang zu Wissen und Kultur nicht nur ein notwendiger Grundpfeiler einer zukünftigen Informationsgesellschaft sondern ein Eckpfeiler jeder aufgeklärten Gesell­schaft, ohne den diese überhaupt nicht denkbar ist. Wer – ganz gleich aus welcher Motivation heraus – eine Einschränkung dieses Zugangs fördern, stellen sich gegen die Errungenschaften der Aufklärung und sollte mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft werden.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Wachstumswahn

Über die Mailingliste der NRW-Piraten erreichte mich ein Link zu einem Artikel im Blog der Essener Piraten mit der Überschrift »Der Wachstumswahn«, dessen Lektüre ich an dieser Stelle empfehlen möchte. Er kommt zu dem Fazit:
Unser heutiger Konsumbegriff, der auf der herrschenden Wirtschaftswachstums-Ideologie beruht, führt sowohl zum Interessenkonflikt zwischen Ökonomie und Ökologie als auch zur Überschuldung der Volkswirtschaften. Daher kann meines Erachtens eine Wirtschaftspolitik der Zukunft nur dann nachhaltigen Bestand haben, wenn sie andere Zielparameter definiert als quantitatives Wirtschaftswachstum.
Um das Problem des Wirtschaftswachstums einmal zu illustrieren: Wenn man von einem jährlichen Wachstum der Weltwirtschaft von nur 3 Prozent ausgeht (weniger als in Folge der Krise für das Jahr 2012 geschätzt wird), entspricht dies einer  Verdopplung des Wirtschaftsvolumens binnen weniger als 24 Jahren.

Geht man weiterhin reichlich optimistisch davon aus, dass dem ein nur halb so starkes Wachstum des Bedarfs an nicht erneuerbaren Ressourcen entspricht, bedeutet dies, dass sich der Bedarf binnen zwei Dutzend Jahren auf das Anderthalbfache erhöhen wird.

Es darf bezweifelt werden, dass die Gewinnung mit dieser Bedarfssteigerung mithalten kann; immer­hin gibt es bereits heute Eng­pässe und die Erschließung neuer Rohstofflager wird naturgemäß immer schwieriger und zeitauf­wendiger, da die leicht zu erschließenden Lager schon erschlossen sind.

Bei einigen Ressourcen, allen voran dem Erdöl, das nicht nur Energieträger sondern auch Grundlage der Petrochemie ist, muss man sogar davon ausgehen, dass die gefördete Menge im günstigsten Fall annähernd konstant bleiben, wahrscheinlich aber (unter Umständen rapide) schrumpfen wird.

Sonntag, 1. Januar 2012

50. Geburtstag des Deutschlandfunks

Heute feiert der Deutschlandfunk seinen 50. Geburtstag. Während viele Radiosender zu einem erheblichen Teil Musik ausstrahlen, besteht das Programm des DLFs zu 80 Prozent aus Sprache. Als einstmaliges bundesrepublikanisches Sprachrohr ist er heute mit seinem einstigen ostdeutschen Pendant, dem Rundfunk der DDR (vormals und in der Wendezeit Deutschlandsender) vereint.

Unter dem Titel »Zum Start senden aus dem Provisorium – Vor 50 Jahren nahm der Deutschlandfunk seinen Sendebetrieb auf« brachte der Sender heute einen Beitrag in eigener Sache (ich war so frei, den reichlich peinlichen Fehler zu korrigieren, der wohl dem Umwandeln in Schriftform geschuldet ist, im Beitrag selbst ist das Datum richtig):
Mehr als ein Jahr vor seinem Start war die Geburt eines neuen Radiosenders per Bundesgesetz beschlossen worden. Er sollte ein umfassendes Bild Deutschlands ins europäische Ausland vermitteln. Am 1. Januar 19611962 nahm der Deutschlandfunk dann seinen Sendebetrieb auf… Weiter
Wer sich lieber den Audiobeitrag anhören will:

Zum Start senden aus dem Provisorium
Vor 50 Jahren nahm der Deutschlandfunk seinen Sendebetrieb auf

Samstag, 19. November 2011

Das ominöse Bundeswehr-Video

Die Bundesregierung hat mit dem ominösen Bundeswehr-Video einen überaus befremdlichen Stunt hingelegt. In meinem englischsprachigen Blog (hier schreibe ich ja nur auf Deutsch) hatte ich das Video, von dem nachfolgend eine Kopie zu sehen ist, am 2011-11-17 gegen 2 Uhr morgens einge­bettet.

Video: Die Bundeswehr online (Kopie)

Anlass war, dass die im Video verwendete Blasmusik-Version der Nationalhymne in keinster Weise zur rockigen Hintergrundmusik passt und ich als Alternative eine der Rock-Versionen des Deutsch­landlieds vorgeschlagen wollte (siehe Post).

Ich habe die Meldungen zum Video nicht verfolgt und habe dann heute beim Bearbeiten älterer Posts (Hinzufügen von Links zu den Videos) die Meldung »This video is private.« angezeigt bekommen.

Beim kurzen Nachforschen habe ich dann schnell gesehen, dass den Medien gegenüber augen­scheinlich die Aussage gemacht worden ist, dass das Video gelöscht wurde, was nicht der Wahrheit entspricht. Es ist weiterhin unter dem youtube-Account der Bundesregierung online, nur wird dem normalen Bürger der Zugang verweigert, worüber ich mich bereits auf Englisch ausgelassen habe.

Ich gebe meine Meinung hier nur kurz wieder: Ich habe kein Problem damit, wenn die Bundes­regierung zu dem im Video gezeigten Bild der Bundeswehr steht (auch wenn ich es nicht befürworte) oder sich klar davon distanziert. Nicht hinnehmbar ist allerdings, dem Normalbürger den Zugang zu verweigern, das Video jedoch für einen handverlesenen Personenkreis weiter online zu belassen (denn das ist Sinn und Zweck privater Youtube-Videos).

Hier werden dem Souverän Informationen vorenthalten, die er zum angemessenen Erfüllen seiner von der Verfassung festgelegten Rolle benötigt (was man gemeinhin als politische Zensur bezeichnet):
Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. – Artikel 20, Absatz 2 Grundgesetz.
Ich habe jedenfalls einmal eine Nachricht an den youtube-Channel geschickt und bin gespannt ob und wann ich Antwort erhalte.

Ich hätte da mal eine Frage…

Übrigens war die Aktion der Bundesregierung für das einschlägig bekannte Blog Politically Incorrect (PI), das man wohl mit Recht als rotes Tuch für jeden Piraten bezeichnen kann, ein gefundenes Fressen.

Bitte beachten: Da ich keine Werbung für PI machen will, ist beim obigen Link entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten das rel-Attribut auf »nofollow« gesetzt (eine technische Möglichkeit, auf die ich an dieser Stelle einmal aufmerksam machen möchte).

Sonntag, 13. November 2011

Verwerter-Propaganda bei ZAPP

Der ZAPP-Bericht »Computerzeitschriften: fragwürdige Tipps« ist Urheberrechtsverwerter-Propa­ganda der übelsten Sorte. Dies wird gleich in der Einleitung klar
Stellen Sie sich mal folgende Schlagzeile vor: »Sie rasen gern? Und das mitten in der Stadt? Dann nix wie rauf aufs Gaspedal. Morgen um Mitternacht werden in Hamburg alle Blitzer ausgeschaltet!« So eine Einladung zum Gesetzesbruch ist natürlich in keiner deutschen Zeit­schrift denkbar. So was gibt es aber in Computerzeitschriften. Die spielen bewusst mit der Lust auf Verbotenes und bewegen sich ganz nah am Rande der Legalität…
Der Vergleich zwischen Rasern, von denen hebliche Gefahren für Leib und Leben anderer ausgehen, und Urhheberrechtsverstößen, die nur monetären Auswirkungen haben, ist definitiv an den Haaren her­beigezogen. Wenn schon eine Analogie sein muss, dann wäre etwa die folgende näherliegend und angemessener:
Wollen Sie kostenlos Videos schauen? Dann aber los, ab Mittag ist die Videothek »Video n.n.« auf Grund eines Streiks unbeaufsichtigt!

Im weiteren Verlauf werden dann munter er Konsum von Streams und das Herunterladen durch­einandergeworfen, obwohl aus rechtlicher Sicht zwischen beiden Handlungen erhebliche Unterschiede bestehen.

Schlichtweg als Meinungsmache muss man wohl die Aussage
Manche stellen fragwürdige Vergleiche an: »Sind Hackerportale die besseren Onlinevideo­theken?« (PC Praxis, Ausgabe 06/2010). Und kommen am Ende zu noch fragwürdigeren Bewertungen. »Was die Aktualität anbetrifft, haben die illegalen Dienste also die Nase weit vorn: Kaum ist ein Film im Kino angelaufen, gibt es ihn bereits in zahlreichen Varianten zum kostenlosen Download oder als Stream. Mitunter finden sogar Filme ihren Weg in die Portale, die noch in keinem Kino gezeigt wurden.«
bewerten, die eine objektive Feststellung eines Faktums und einen wesentlichen Grund für die Beliebtheit derartiger Portale darstellt: Nicht Monate darauf warten zu müssen, dass sich der Rechte­inhaber endlich bequemt, die Inhalte auch für diejenigen freizugeben, die sich Filme lieber zuhause anschauen. Je nach Film kann der Zeitraum auch erheblich länger sein; bei japanischen Animes kann es Jahr­zehnte dauern, bis sie auf Deutsch erhältlich sind; ein Schicksal, von dem auch berühmte Filme wie »Nausicaä aus dem Tal der Winde« und »Die letzten Glühwürmchen« nicht verschont blieben.

Ich lasse mich jetzt mit Rücksicht auf meinen Blutdruck nicht weiter über dieses Propaganda-Mach­werk aus sondern verweise auf das Video und die zugehörige Internetseite des NDR.